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Das historische Stellwerk in Louka u Litvínova/Wiesa hat wieder eine Zukunft. Die Gemeinde übernimmt es von der tschechischen Eisenbahnverwaltung

Stiftungsfonds „Moldauer Bahn / Teplitzer Semmeringbahn“

24.09.2026

Ein weiteres historisches Objekt der Moldauer Eisenbahn hat eine reale Chance auf Rettung und eine neue Nutzung. Der Gemeinderat von Louka u Litvínova/Wiesa hat in seiner Sitzung am 23. September 2026 einen Vertrag mit der tschechischen Eisenbahnverwaltung über die Übernahme des ehemaligen Stellwerks in das Eigentum der Gemeinde beraten und beschlossen. Für die kommenden zwanzig Jahre wird sich der Stiftungsfonds „Moldauer Bahn / Teplitzer Semmeringbahn“ um das Gebäude kümmern. Nach mehreren Jahren der Verhandlungen kann das ursprünglich vom Verlust bedrohte Eisenbahngebäude damit Teil des schrittweise wiederbelebten historischen Bahnhofsareals werden.

Mit dem Beschluss des Gemeinderates findet eine Reihe von Verhandlungen mit der tschechischen Eisenbahnverwaltung ihren Abschluss, die bereits 2023 begonnen hatte. Am 18. Dezember 2024 beschloss die Gemeinde Louka u Litvínova/Wiesa einen Kooperationsvertrag mit dem Stiftungsfonds „Moldauer Bahn / Teplitzer Semmeringbahn“, der die Voraussetzungen für die Erhaltung und gemeinnützige Nutzung des Stellwerks Nr. 2 und des Splitterschutzbunkers aus dem Zweiten Weltkrieg schuf. Nach der Übertragung soll das Stellwerk vom Stiftungsfonds langfristig vor allem zur Vermittlung der regionalen Eisenbahngeschichte sowie für die technische Bildungsarbeit genutzt werden. Grünes Licht für die eigentliche Übertragung gab die tschechische Regierung am 22. Juni 2026.

VON DER RETTUNG VOR DEM VERFALL ZU EINER NEUEN NUTZUNG

Das turmartige Befehlsstellwerk ist Teil des historischen Eisenbahnareals in Louka u Litvínova/Wiesa, das sich zu einem bedeutenden Knotenpunkt des Güter- und Personenverkehrs an den Strecken Most/Brüx – Moldava v Krušných horách/Moldau – Freiberg sowie an der früher durchgehenden Strecke Chomutov/Komotau – Děčín/Tetschen entwickelte. Der Streckenabschnitt Louka u Litvínova/Wiesa – Moldava v Krušných horách/Moldau steht heute unter Denkmalschutz und erinnert an die außerordentliche Bedeutung der einstigen grenzüberschreitenden Eisenbahnverbindung zwischen Nordböhmen und Sachsen. Nach der Aufnahme des grenzüberschreitenden Verkehrs im Jahr 1885 ermöglichte die Bahn den umfangreichen Export nordböhmischer Braunkohle nach Sachsen, unter anderem zur Versorgung der Hütten in Freiberg, einem der bedeutenden Zentren der UNESCO-Welterbestätte Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří.

Die Zukunft des Stellwerks war noch vor wenigen Jahren keineswegs gesichert. Dank der Zusammenarbeit des Stiftungsfonds mit dem Bezirk Ústí, der Stiftung des Energiekonzerns ČEZ und der Gemeinde konnte der Abriss verhindert und das Gebäude provisorisch gesichert werden, unter anderem durch Nachbildungen der ursprünglichen Holzfenster und -türen. Aus dem ursprünglichen Bemühen, den Verlust eines verlassenen Eisenbahngebäudes zu verhindern, entwickelt sich damit schrittweise ein Konzept für dessen langfristige Nutzung.

Mit der umfassenderen Wiederbelebung des technischen Erbes entlang der historischen Eisenbahnachse Freiberg – Holzhau – Moldava v Krušných horách/Moldau – Most/Brüx – Teplice/Teplitz befasst sich auch das laufende deutsch-tschechische Projekt „Železnice spojuje! / Die Eisenbahn verbindet!“, das im Rahmen des Programms Interreg Tschechien–Sachsen gefördert wird. Das Projekt widmet sich der Dokumentation von Eisenbahn- und damit verbundenen Industriedenkmalen sowie ihrer künftigen Nutzung im grenzüberschreitenden Tourismus, in der Bildungsarbeit und bei der Vermittlung des gemeinsamen technischen Erbes.

Louka u Litvínova/Wiesa wurde dabei von Anfang an nicht nur als ein Ort verstanden, an dem einzelne historische Gebäude gerettet werden sollen. Langfristiges Ziel ist es, das historische Bahnhofsareal schrittweise zu einem Ort der Vermittlung der Geschichte der Moldauer/Freiberger Eisenbahn, des technischen Erbes der Region und der deutsch-tschechischen Verbindungen zu entwickeln. Im Jahr 2024 erhielt der Bezirk Ústí für die Projektvorbereitung zur Revitalisierung des Bahnhofsgebäudes eine Förderung aus dem Programm für einen gerechten Übergang in Höhe von 3,75 Millionen tschechischen Kronen; die Gesamtkosten der Projektvorbereitung beliefen sich auf 5,3 Millionen Kronen. Nach den Regionalwahlen rückte die neue Führung des Bezirks Ústí jedoch von der geplanten Übernahme und Revitalisierung des Bahnhofsgebäudes ab; 2025 wurde die Projektvorbereitung aus dem Projektvorrat des Bezirks gestrichen.

EIN WEITERES SICHTBARES ERGEBNIS DES PROJEKTS „DIE EISENBAHN VERBINDET!“

Die Übernahme des Stellwerks ist zugleich das zweite konkrete Ergebnis, das im Zusammenhang mit dem Projekt „Die Eisenbahn verbindet!“ und der daran anknüpfenden grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in Richtung Umsetzung gebracht werden konnte.

Das erste ist die schrittweise Wiederbelebung der historischen Leipner-Werner-Mühle an der Moldauer Eisenbahn in Lom/Bruch, die Ende 2025 vom Verein Vlčí hora/Wolfsberg Dlouhá Louka/Langewiese übernommen wurde. Seit 2026 arbeitet der Verein bei ihrer Wiederherstellung mit dem Stiftungsfonds „Moldauer Bahn / Teplitzer Semmeringbahn“ und dem deutschen Förderverein Technische Denkmale Mulda zusammen. Auch hier ist die Verbindung zur Eisenbahn kein Zufall: Lom/Bruch und Mulda liegen an derselben historischen Verkehrsachse Most/Brüx – Moldava v Krušných horách/Moldau – Freiberg und erinnern an das gemeinsame Industrie- und Technikerbe beider Seiten des Erzgebirges.

Die Mühle in Lom/Bruch und das Stellwerk in Louka u Litvínova/Wiesa sind zwei unterschiedliche, aber konkrete Beispiele für denselben Ansatz: Das technische Erbe entlang der historischen grenzüberschreitenden Eisenbahn soll nicht nur dokumentiert, sondern auch erhalten und wieder genutzt werden.

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